Werkstatt
Die News-App, die einen Abend brauchte

«Und natürlich könnten wir allen eine News-App zum Download anbieten — aber ist das wirklich der Mehrwert? Oder wäre das einfach eine geile Machtdemonstration?»
Diese Frage stand am Ende eines langen Samstags, an dem unsere Website einen Ticker bekommen hatte: eine automatische Spur aus eigenen Beiträgen, Sicherheits-Patches unseres Server-Bestands und Fundstücken aus unserer automatischen Presseschau. Die ehrliche Antwort auf beide Teilfragen lautet: nein — und ja. Und genau deshalb haben wir sie gebaut.
Der Mehrwert war schon da
Wer unsere Meldungen lesen will, konnte das an diesem Punkt bereits auf jede erdenkliche Art: auf der Ticker-Seite selbst, per RSS-Feed im Feed-Reader, als Newsletter in vier Geschmacksrichtungen — pro Beitrag, pro Kurznotiz, täglich gebündelt oder wöchentlich — oder über unsere Konten im Fediverse und auf Bluesky. News so, wie man sie haben will. Eine App fügt dem inhaltlich nichts hinzu.
Warum also trotzdem? Weil die App fast nichts kostete — und weil genau das die Geschichte ist.
Was eine «App ohne App Store» ist
Der Fachbegriff lautet Progressive Web App, kurz PWA. Dahinter steckt eine einfache Idee: Eine gewöhnliche Webseite erklärt dem Handy in einer kleinen Beschreibungsdatei, dass sie sich auch wie eine App verhalten kann — mit eigenem Icon auf dem Homescreen, eigenem Fenster ohne Browserleiste und einem Mini-Programm im Hintergrund, das die letzten Inhalte für den Offline-Moment bereithält.
Das ist keine Zukunftstechnik. Jedes moderne Handy versteht das seit Jahren.
Konkret bestand unsere «App» am Ende aus drei Dingen: der Beschreibungsdatei (rund fünfzehn Zeilen), zwei Icon-Grössen aus unserem bestehenden Logo und einem Skript von etwa dreissig Zeilen für den Offline-Fall. Kein Entwicklerkonto bei Apple oder Google, kein Freigabeprozess, keine dreissig Prozent Abgabe an einen Store, kein Update-Zyklus — die App ist die Website, und die Website gehört uns.
Die eigentliche Pointe
Die Machtdemonstration liegt nicht darin, dass wir eine App haben. Sie liegt darin, wie billig sie war — und was das über den Rest des Abends aussagt.
Am selben Tag entstanden: die Ticker-Seite mit Tagesgruppierung und Filtern, der RSS-Spiegel des Feeds, zwei neue Newsletter-Listen samt Anmeldung auf jeder Seite, und die Korrektur, dass jede Meldung ihre echte Quellzeit trägt statt eines Sammelstempels. Die App war davon der kleinste Posten.
Das geht nicht, weil wir zaubern können. Das geht, weil der Unterbau stimmt: Die Inhalte liegen als offene Daten vor (ein Feed, den jeder abonnieren kann), die Website ist statisch und gehört uns vom Server bis zum Quellcode, und ein KI-Agent arbeitet die Handgriffe ab, während wir die Entscheidungen treffen. Wer seine Plattform besitzt, baut ein Feature an einem Abend. Wer sie mietet, schreibt ein Ticket.
Ehrlich bleiben
Zwei Dinge sagen wir dazu offen. Erstens: Für die meisten Leserinnen und Leser bleibt RSS oder der Newsletter der bessere Weg — eine App muss man installieren, einen Feed abonniert man mit einem Klick. Die App ist ein Angebot für die, die News auf dem Homescreen wollen, kein Ersatz für alles andere. Zweitens: Eine PWA kann nicht alles, was eine Store-App kann — Push-Benachrichtigungen etwa sind je nach Gerät eingeschränkt. Für einen Ticker, der zweimal täglich kuratiert und alle fünfzehn Minuten aktualisiert, braucht es das nicht.
Wenn Sie es ausprobieren wollen: analytikdata.ch/ticker auf dem Handy öffnen — auf Android erscheint ein «App installieren»-Knopf, auf dem iPhone geht es über «Teilen → Zum Home-Bildschirm». Und falls Sie sich fragen, was so ein Abend für Ihre Firma bedeuten würde: Genau darüber reden wir gern.