Own Your Stack · Teil 3
Mac? Windows? Arch Linux. Die OS-Wahl für ein Business auf Open Source + KI

Als das neue Notebook auf dem Tisch stand, war die erste Entscheidung nicht «welcher Passwortmanager» oder «welche Ordnerstruktur». Es war die grundsätzlichste: Welches Betriebssystem trägt ein Arbeitsleben, in dem ein KI-Agent die halbe Arbeit macht?
Die Antwort ist Omarchy geworden — ein eigenwilliges, durchgestyltes Arch Linux mit dem Hyprland-Fenstermanager. Hier ist die ehrliche Abwägung, denn die üblichen Verdächtigen hatten gute Argumente.
Die Anforderung, die alles sortiert
Mein Massstab war nicht «schönstes System» oder «vertrautestes System», sondern:
Der Agent muss die ganze Maschine bedienen können — Dateien, Konfiguration, Dienste, Fenster, alles. Was er nicht per Terminal oder API erreichen kann, existiert für ihn nicht.
Das klingt technisch, ist aber die Kernfrage der ganzen Serie: Ich baue ein Arbeitsleben, in dem Routinearbeit an einen Agenten geht. Jede Ecke des Systems, die nur per Maus erreichbar ist, wird dann zum Handarbeits-Reservat.
Warum nicht macOS?
Die ehrliche Antwort zuerst: macOS wäre gegangen. Hervorragende Hardware, Unix unter der Haube, die Agenten-Tools laufen dort gut. Drei Dinge gaben den Ausschlag dagegen:
- Das System gehört mir nur zur Hälfte. Systemeinstellungen, Updates, Signierungs-Zwänge, ein App-Ökosystem mit Gatekeeper — vieles ist bewusst der Automatisierung entzogen. Für Konsumenten ein Feature, für mein Ziel ein Käfig.
- Die Kosten-Logik. Ein Business, das Kunden «Open Source statt Lizenz-Lock-in» empfiehlt, wirkt glaubwürdiger, wenn es selbst so arbeitet.
- Konfiguration als Code. Auf Arch ist alles eine Textdatei im Repo. Mein komplettes Desktop-Setup — Fenster, Shortcuts, Theme im Firmen-Design — ist versioniert und auf einem neuen Gerät in Minuten reproduziert.
Warum nicht Windows + WSL?
Weil ich es jahrelang genau so hatte — meine alte Workstation läuft bis heute mit WSL. Es funktioniert. Aber es sind zwei Welten mit einer Naht: Der Agent lebt im Linux-Teil, das echte Leben (Browser, Outlook, Dateiablage) im Windows-Teil, und an der Naht reibt es täglich — Pfade, Rechte, Netzwerk, zwei Zwischenablagen, zwei Update-Welten. Ein Agent, der das ganze Leben organisieren soll, braucht ein System ohne Naht.
Und ja: Der Elefant heisst Outlook. Der Exchange-Ausstieg ist der schwierigste Teil dieser Migration und bekommt seine eigenen Beiträge — die Kurzfassung: Mail, Kalender und Kontakte wandern auf selbst gehostete, offene Dienste, Schritt für Schritt und ohne Datenverlust.
Die ehrlichen Kosten der Entscheidung
Damit das kein Werbeprospekt wird — es gab Momente, in denen ich mich nach 25 Jahren IT wie im ersten Lehrjahr gefühlt habe:
- Ich wollte eine Datei editieren und stellte fest: kein
vi, keinvim— und imnvimwusste ich nicht einmal, wie man sauber kopiert. («Ich muss auch noch Omarchy lernen!» steht wörtlich in meinem Verlauf.) - Passkeys mit dem eingebauten Fingerabdrucksensor: Auf Linux ist das ein eigenes Forschungsprojekt, keine Selbstverständlichkeit. Die Recherche dazu wurde ein eigenes Entscheidungs-Dokument.
- Es gibt keinen Hersteller-Support. Es gibt Wikis, Foren — und einen KI-Agenten, der geduldig erklärt.
Der letzte Punkt ist der eigentliche Gamechanger: Die Lernkurve, die Arch früher steil machte, fängt heute der Agent ab. Er kennt mein System, erklärt mir die Shortcuts, schreibt die Config — und dokumentiert sie, damit ich es beim zweiten Mal selbst kann. Die alte Wahrheit «Linux kostet Zeit» gilt so nicht mehr.
Was das für Unternehmen heisst
Die private OS-Wahl ist die Miniatur einer Unternehmens-Frage: Nicht «Mac oder Windows», sondern «Wie viel unseres Stacks können wir automatisieren, wie viel gehört uns wirklich?» Wer sein Business AI-ready machen will, wird jedes System daran messen müssen — vom Notebook bis zum ERP. Genau darum geht es im nächsten Teil: das härteste Kriterium bei jeder Software-Entscheidung.
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